Wenn wir Neuaubinger NaturFreunde von der Krottentaler Alm (1.437m) reden, meinen wir selbstverständlich unserer Vereinshütte und tun so, als hätte vorrangig sie den Anspruch auf diese Benennung. Genauer gesehen ist sie aber nur eine der heute noch existierenden 3 Almhütten im Talschluß zwischen Rauhkopf und Aiplspitz. Ihre beiden Schwestern sind die nach Hagnberg gehörende Alm vom Schönauer, genannt Hansenbauer, und die Reisberger-Alm, welche der Lechnerbauer bei Osterhofen in Besitz hat. Auf diesen beiden Almen im Krottental wird – Gott sei Dank darf man sagen – bis in unsere Tage Almweidewirtschaft betrieben, und daß sich daran nichts ändert, das soll nicht nur das Anliegen der Almbauern sein.

Wie wir wissen, ist die Almlandschaft, so wie wir sie bei uns im Rotwandgebiet oder sonstwo in den heimatlichen Bergen antreffen, ein Stück gewordene Umwelt, die durch maßvolle Rodungstätigkeit in Hochtälern und an den daraus aufsteigenden Bergflanken und durch weidewirtschaftliche Nutzung der gewonnenen Fläch währen der Sommermonate entstanden ist und dabei in charakteristischer Weise geprägt wurde. Ursprünglich, durch die klimatischen Verhältnisse mit hohen Niederschlägen bedingt, waren unsere Berge am nördlichen Alpensaum bis hinaus zur Waldgrenze ein geschlossenes Waldgebiet, in dem die Nadelbaumarten Fichte und Tanne vorherrschten, neben Bergahorn, Rotbuche und einigen anderen Laubhölzern.

Wer sich einmal aufmerksam auf den Almböden im Krottental umgesehen hat, wird wohl Hinweise darauf gefunden haben, daß die Zahl der Almhütten einstmals größer gewesen sein muß. Grundmauerreste, sowie die Häufung der ausgesprochen nitrophilen Brennessel an einigen Stellen, legen ein sicheres Zeugnis dafür ab. Doch im Laufe der Zeit verschwanden diese Almen. Die Weiderechte fielen den anderen, größeren Almen zu. Und heute liegen sie ausschließlich bei der Hansenbauer- und Reisberger Alm, die alljährlich 70 bis 80 Stück Jungvieh von Juni bis in den September hinein beherbergen.

Über den Ursprung unserer Alm ist gesichert nichts bekannt. Der aus massiven Fichtenstämmen gefügte obere Teil des Gebäudes, der Dachstuhl und teilweise auch die Außenmauern aus Stein, stammen aus dem Jahr 1727. Im Innern der Hütte weist an einer Schlafkammertür eine ins Holz geschnittene Zahl auf das Jahr 1857 hin. Andere Bauteile an der Hütte und um diese herum sind erst nach Auflassung der Alm, also in jüngerer Zeit hinzugekommen.

Recht interessant ist sicherlich für denjenigen, der den gegenwärtigen Almbetrieb kennt, zu erfahren, wie es etwa um die Mitte des vergangtenen Jahrhunderts auf einer Alm zwischen Oberaudorf und Bayrischzell ausgeschaut hat. Denn nicht anders wird es auf der anderen Seite des Leitzachtales gewesen sein. Ludwig Steub, ein liebevoller Betrachter der Landschaft und Menschen seiner Zeit, beschreibt das almerische Leben in seinen “Wanderungen im bayerischen Geborge”, die 1862 in München erschienen sind, wie folgt:

“Eine Almhütte ist gewöhnlich so gelegen, daß ihr ohne Mühe und Beschwer nicht beizukommen ist. Das Vieh tritt nämlich an diesem seinen Sammelplatz den Rasen auf und weicht ihn mit allerlei natürlichen Mitteln durch und durch. Hat man aber, etwa von einem Stein zum anderen springend, das “Tret” glücklich zurückgelegt, so lohnt ein freundlicher Willkomm der Sennerin und alles Gute, was Almwirtschaft bieten kann.”

Und Steub als Städter und feiner Mann, fährt nun in der Beschreibung einer Alm und Sennhütte, offensichtlich von etwas eigenartigen Vorstellungen ausgehend, weiter fort:

“Küche, Speise- und Sprechzimmer sind derselbe Raum”, um dann noch zu berichten, “nebenan ein Schlafgemach, rückwärts ein geräumiger Stall für die Stunden eines Unwetters oder zu großer Sonnenhitze. Vor der Hütte sprudelt ein Brunnen mit klassischem Wasser. Innerhalb ist der Herd, zugleich auch Ruhebank, mit einem großen Käsekessel. An den hölzernen Wänden sind Schüsselrahmen, mehrere Pfannen, Milchkübel und dergleichen. Da die Kultur… alles beleckt, so findet man auch sächsiche Steingutteller und Tassen mit Ansichten aus der sächsischen Schweiz oder vom Rhein.

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